Bericht über die SEP Tagung in Männedorf vom 8.-10. März 2026 mit Prof. Peter Zimmerling zum Thema "Jesus als Seelsorger"
Nach ein paar Jahren, in denen das Bibelheim in Männedorf für Gäste geschlossen war, konnten wir uns im alten, schön erneuerten Haus, das nun neu "El casa" heisst, zu unserer Frühjahrstagung treffen.
Von Prof. Peter Zimmerling wurden wir sogleich in das Thema hineingenommen mit einer Aussage die unsere Aufmerksamkeit weckt: "Jesus, der Seelsorger ohne Methode". Wir können also bei Jesus nicht lernen, wie man es macht, und dann funktioniert es. Wir sehen und lernen bei ihm anderes.
Nun zeigte uns Prof. Zimmerling, wie verschieden bis gegensätzlich Jesus mit Menschen umging. Dem reichen jungen Mann sagt er: "Verkaufe, was du hast, und gib es den Armen und komm, folge mir nach." Dem reichen Oberzöllner Zachäus sagt er kein Wort zu dessen Reichtum, als er nach dem Gesetz den Geschädigten das vierfache zurück gibt, die Hälfte seines Vermögens den Armen gibt und die andere Hälfte für sich behält.
Er ruft Menschen: Komm, folge mir nach. Andere, die ihm nachfolgen wollen, weist er zurück.
Die einen Kranken heilt er in aller Öffentlichkeit, andere nimmt er beiseite, andere heilt er, ohne zu ihnen hinzugehen.
Dem Gerasener, den er von den Dämonen frei gemacht hat, sagt er: Geh zu den Deinen und verkündige ihnen, was Gott Grosses an dir getan hat. Dem geheilten Aussätzigen sagt er, er solle niemandem etwas sagen.
Woher kommt das? Jesus sieht den einzelnen Menschen. Er weiss, was im Menschen ist. Und so verschieden, wie Menschen sind, so verschieden geht er mit ihnen um.
Der einzelne Mensch in seiner Besonderheit ist Jesus überaus wichtig. Ebenso sieht er den Menschen im gesellschaftlichen Zusammenhang, oder noch mehr, im Zusammenhang des Volkes Gottes. Er soll mehr als Heilung erfahren. Er soll heil werden, Anteil an Gottes Heil bekommen. Wird er heil, dient das auch der Gesundung und dem Heil des Volkes Gottes, der Gesellschaft, der Welt, denn nicht nur der Einzelne und die Einzelne soll ins Heil kommen, sondern das Volk Gottes als Ganzes.
Jesus beschränkt sich nicht auf gewisse Gruppen der Gesellschaft. Männern, Frauen und Kindern gibt er Zugang zu sich und geht auf sie zu. Natürlich liegt ein Schwergewicht auf den Kranken, Armen und Sündern, aber die andern gehen nicht aussen vor. Jesus sieht auch die Not der Reichen, der Frommen und der Gerechten. Auch wenn sein Auftrag grundsätzlich auf die "verlorenen Schafe des Hauses Israel" beschränkt ist, wird da und dort diese Grenze gesprengt.
Jesus handelt und wirkt im Hören und Sehen auf seinen Vater. Je nachdem, was Menschen sagen oder wie sie handeln, sieht er darin das Werk seines Vaters und hört die Stimme seines Vaters, der er gehorcht. (syrophönizische Frau, Petrus mit seinem Bekenntnis)
Warum handelt Jesus, wie er handelt? Er zeigt in verschiedenen Bildern, wie er seinen Dienst versteht. Er nennt sich den guten Hirten, vergleicht sich mit einem Huhn, das seine Kückchen unter seine Flügel sammeln will, bezeichnet sich seinen Jüngern gegenüber als ihren Meister, ihren Freund... Manche Selbstbezeichnungen Jesu sind von der Kirche als ganze stark aufgenommen worden, andere weniger.
Wie lernen wir von Jesus? Indem wir hinschauen und hinhören und bedenken und bewegen, was wir in der Bibel von ihm sehen und hören. Manche Worte oder Handlungen prägen sich tief ein, kaum allen die gleichen. Das hat mit unserer eigenen Prägung und Bedürftigkeit zu tun.
Für mich waren es zwei mich bewegende Tage. Ich vergleiche es damit, dass ein Freund einen nimmt und in den Garten führt und die Pflanzen des Gartens zeigt, nicht viele unbekannte Pflanzen. Aber nun schauen wir die Pflanzen miteinander an, und er weist auf diese Schönheit und jene Besonderheit; und beim gemeinsamen Schauen wird grosse Freude und grosses Staunen und Dank geweckt über die Vielfalt und die Herrlichkeit, die sich da findet. Ein Wort des Herrn Jesus kommt mir in den Sinn, wenn ich an die Tagung zurückdenke: "Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt." (Matthäus 13.52)
Florian Sonderegger
iel – Priester ohne Tempel“ war das Tagungsthema. Benjamin Kilchör, Professor für Altes Testament an der STH, referierte. 32 Teilnehmende folgten seinen Ausführungen. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, uns einen Gesamtüberblick über den ganzen Korpus der 48 Kapitel zu geben. In seinen fünf Referaten brachte er eine grosse Fülle an spannenden Informationen. Hesekiel steht als der dritte der grossen Propheten etwas im Schatten von Jeremia und Jesaja. Zu Unrecht, wie Kilchör überzeugend darlegte.
Hesekiel war im Jahr 597 vor Christus mit der ersten Welle der Exilierten nach Babylonien gekommen. Der Tempel stand zwar noch – er wurde erst zehn Jahre später zerstört – dennoch konnte Hesekiel nicht mehr als Priester wirken. Wo wirkt der Heilige Geist ohne einen «heiligen Ort»? Gott verheisst, den Geist in den Menschen hineinzugeben: «Ich werde euch ein neues Herz geben, und in euer Inneres lege ich einen neuen Geist.» (Hesekiel 36,25) Die Parallele zu dem, was Jesus der Samaritanerin am Brunnen gesagt hat (Johannes 4,20-24), liegt auf der Hand. Es gibt viele weitere Bezüge zum Neuen Testament.
Einige Beispiele:
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Hesekiel |
Vergleichspunkt |
Neues Testament |
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34,11-16 |
Der HERR kümmert sich um seine Schafe. |
Johannes 10,11ff |
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36,23 |
Den Namen Gottes heiligen. |
Matthäus 6,9 |
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16,8-14 |
Reinigung, Sündenvergebung |
Kolosser 1,14 und viele andere |
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47 |
Heilendes Wasser |
Offenbarung 22,1.2 |
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1 und 8 bis 11 |
Herrlichkeitsvisionen |
Offenbarung 21 und 22 |
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37 |
Auferstehung / Wiederherstellung |
Matthäus 28 par |
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39,29a |
Gott verhüllt sein Angesicht nicht mehr |
Matthäus 27,51 par |
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39,29b |
Ausgiessung des Geistes |
Apostelgeschichte 2,4 |
Wie gesagt, die Fülle in den Referaten war riesig. Hier bloß ein klitzekleiner Ausschnitt. Es lohnt sich auf jeden Fall, selbst an die Tagungen zu kommen. Dies nicht nur der Referate, sondern auch der Gemeinschaft wegen. Traditionsgemäß erlebten wir diese während des Gemeinschaftsabends am Montag und während der Wanderung am Dienstagnachmittag.
Alex Nussbaumer
Hebräerbrief – SEP-Herbsttagung 2024 mit Prof. Dr. Peter Wick
An der diesjährigen Herbsttagung der Pfarrgemeinschaft war traditionsgemäß wieder Prof. Dr. Peter Wick zu Besuch. Er nahm uns in fünf Blöcken mit hinein in eine Welt geprägt von jüdischer Argumentation, platonisch angehauchten Gedanken, vom Exodus, der Kultzentralisation und der vielgesuchten Ruhe – kurzum, in die spannende, teils fremde, teils so ersehnte Welt des Hebräerbriefs.
Prof. Dr. Peter Wick inspiriert mit seinen Ausführungen zum Hebräerbrief zum Nachdenken. Der Hebräerbrief, seit Luther zusammen mit dem Jakobusbrief ganz nach hinten verbannt in unseren Bibeln, stellt uns mit seiner Präsenz, aber auch mit seinen Inhalten einladend vor die Frage: Welche Elemente (der Bibel, aber auch spezifisch dieses Briefs) sind in der heutigen Zeit und Gesellschaft aktiviert – und welche nicht?
Angefangen haben wir nicht bei Adam und Eva, aber beim Exodus. Dieser nämlich, so legt es der Hebräerbrief nahe, hatte sein Ziel gar nie erreicht. Die lang ersehnte Ruhe, die große Sabbat ruhe, verweigerte Gott seinem Volk Israel aus Zorn. Der wirkliche Erbteil war den Israeliten und Israelitinnen nicht zuteilgeworden. Die Ruhe steht noch aus – das Volk Israel ist nicht in die Heimat gekommen. Aber da nun Jesus Christus in diese Ruhe eingegangen ist, können wir Glauben den den Weg des Exodus‘ wieder unter die Füße nehmen. Und dieser Weg führt uns in die Heimat, zu unserem Erbteil, in die Ruhe: in den Himmel.
Der Hebräerbrief warnt davor, sich jetzt schon heimatlich einzurichten. Die Spannung des „Schon jetzt“ und „Noch nicht“ dringt auch hier durch: Die ersehnte Ruhe ist im Himmel bereits voll präsent und wir können uns mit ihr verbinden – schon jetzt. Aber Zeit unseres Lebens müssen, dürfen wir uns bemühen, in diese Ruhe einzugehen – noch nicht.
Gerade in unserer heutigen geschäftigen Zeit stellt uns der Hebräerbrief vor dringende, teils auch unangenehme Fragen: Wie verhält sich Unruhe (Bewegung) zur Ruhe (Ziel) im Glaubensleben? Was bedeutet es für unsere Zeit, wenn das oberste Ziel die Ruhe ist?
Was man in Bezug auf den Exodus und die Ruhe beobachten kann – die Reduktion auf eins (ein Ziel an einem Ort, nämlich im Himmel), lässt sich im Hebräerbrief auch bei anderen Gedanken gängig nachvollziehen. So beispielsweise in Bezug auf den Kult, welcher hier auf Erden immer bloß Abglanz des einen Kults im Himmel ist. Platon lässt dezent grüßen. Hierin zu er wähnen ist die Reduktion auf einen Hohepriester zu einer bestimmten Zeit und ein Opfer: Jesus Christus. Macht uns dies heute zu schaffen, dürfen wir uns vielleicht fragen, ob wir uns Gott so nahe herangeholt haben, dass wir Jesus Christus als Mittler gar nicht mehr brauchen. Kennen wir Furcht, nicht verharmlost in Ehrfurcht, überhaupt noch?
Mit diesen sowie vielen anderen Gedanken und Fragen im Gepäck dürfen wir nun bereichert den Hebräerbrief in unseren Gemeinden schmackhaft machen. Aber natürlich bestand die Tagung nicht nur aus Hirnfutter, sondern wir wurden mit köstlichen Mahlzeiten, tiefgründigen Gesprächen in den Pausen und gelegentlichen Sonnenstrahlen auf der Nase beschenkt. Nebst dem traditionellen Gemeinschaftsabend, an welchem wiederum ausgetauscht, gebetet und gemeinsam das Abendmahl gefeiert wurde, und den morgendlichen Gruppenzeiten rund um Bibeltexte, bildete an dieser Tagung das Feiern des 75-Jahr-Jubiläums der Pfarrgemeinschaft einen Höhepunkt.
In einer Waldhütte stießen wir auf die 75 jährige, reiche Geschichte der Schweizerischen Evangelischen Pfarrgemeinschaft an, genossen einen liebevoll zubereiteten Apéro und wurden noch einmal mitgenommen zu den Meilensteinen der Gemeinschaft seit ihrer Gründung 1949. Es wurde aus alten Protokollen, Aufzeichnungen und Briefen vorgelesen und wir durften Anteil nehmen an den großen und kleinen Fragen, Nöten und Befürchtungen, aber auch Freuden, Max Hartmann teilt Lustiges, Tiefgründiges und Sprüche zum Schmunzeln aus 75 Jahren Pfarrgemeinschafts-Geschichte. die die Pfarrgemeinschaft in den letzten 75 Jahren erlebte und durchlebte. Und dem einen oder der anderen entlockte es doch hie und da ein Schmunzeln, durften wir doch merken, dass sich so Vieles im Wandel befindet und uns doch immer Ähnliches beschäftigt. Auch wir sind auf dem Weg. Und so passt dieses Zitat von Peter Wick ganz gut zum Schluss dieses Berichts: „Wenn ihr euch in Bewegung setzt, habt ihr die Verheißung, dass Er in uns schafft, was vor Ihm wohlgefällig ist.“
Bericht und Bilder: Leandra Zeller